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Weit mehr als die berühmten Gurken

eine kleine Snackpause während der Kahnfahrt
eine kleine Snackpause während der Kahnfahrt

Als am 3. Juli 2013 zahlreiche Schüler von Campus Berufsbildung e. V. sowie einige Lehrkräfte, darunter auch der Schulleiter, Prof. Dr. Eberhard Meumann, und der stellvertretende Schulleiter, Dr. Pieter Wolter, ihren Tagesausflug in den Spreewald begannen, war vielen die Region noch nicht bekannt. Eher gesagt: Man kannte die Spreewälder Gurken, die in Berlin gern verzehrt werden, aber nicht mehr.

Umso überraschender war es, als in unserem Reiseziel Lübbenau eine der Stadtführerinnen plötzlich in ihrer Tracht vor uns stand. Monika Baumgarten, die sich für die Führung Milena, also die vom Volk Geliebte, nannte, begrüßte uns zudem zweisprachig: Auf Deutsch und Sorbisch, was in der Region auch als Wendisch bezeichnet wird. Die Begrüßung Milenas, ihre traditionelle wendische Tracht sowie die Zweisprachigkeit der Schilder am Bahnhof Lübbenau vermittelten schnell, was Milena anschließend ausführlich erklärte: Die Sorben waren und sind für die Region prägend.

Schon seit dem achten Jahrhundert siedeln sie in der Lausitz. Besonders interessant ist, dass die Sorben in der Oberlausitz eine andere Sprache sprechen als in der Niederlausitz, in der Lübbenau liegt, denn in Ober- und Niederlausitz siedelten sich damals verschiedene Stämme an. Obwohl den sorbischen Siedlern in der Geschichte immer wieder von verschiedenen Herrschern deutlich gemacht wurde, dass sie und ihre Tradition in dem Gebiet nicht erwünscht sind, halten sich einige Bräuche und die sorbische Sprache bis heute.

Der Glück bringende Engel

Nach ein paar Minuten Fußweg vom Bahnhof in die Stadt hinein erreichten wir die evangelische Kirche St. Nikolai. Das imposante Gebäude und das grandiose Wetter ließen die Stadt Lübbenau noch idyllischer erscheinen, als sie schon im ersten Moment gewirkt hatte. Milena führte uns in das Innere der Kirche, wo wir in erfrischend kühler Umgebung mehr über die Kirche, den Ort und den Spreewald lernen konnten. So hörten wir, dass die Ausstattung der Kirche aus dem Jahr 1741 stammt und dass bereits 1859 Theodor Fontane von Lübbenau schwärmte. Danach blieb es uns überlassen, ob wir den wohl Glück bringenden Engel vor dem Altar berühren wollten oder nicht.
Die Führung von Milena war so spannend und unterhaltsam, dass die Zeit wie im Flug verging. Wir sahen uns noch das Schlosshotel an, das früher der Herrscherfamilie Lynar als Wohnsitz gedient hatte und heute vorzugsweise von frisch Getrauten bewohnt wird. Schließlich beendeten wir den Stadtrundgang an einem kleinen Kahnhafen, an dem eine Mittagspause eingelegt wurde.
 
Natur pur für die Hauptstädter

Am Hafen war es unvermeidlich, die kleinen Kähne ins Auge zu fassen, die begeisterte Touristen über die zahlreichen Wasserarme der Spree von einem Ort in den anderen brachten. Glücklichweise hatte auch unsere Gruppe die Gelegenheit, mit solchen Kähnen zu fahren – und zwar in den Ort Lehde. Als alle drei Kähne mit je etwa 30 Personen dicht gefüllt waren, ging das Erlebnis los. Unter Brücken hindurch und an Uferläden vorbei, aber vor allem in einer wunderschönen Natur legten wir Meter für Meter zurück. Die großartige Pflanzenwelt und die kleinen Häuser am Ufer, die häufig mit Reet gedeckt waren, faszinierten schnell. Abgesehen von den fleißig stechenden Mücken der Region war diese Fahrt deshalb sehr erholsam.
 
Hefeplinsen für alle Besucher

Der Kahn brachte uns direkt zu dem Gasthaus „Zum Fröhlichen Hecht“. Spreewaldgurken mögen eine sehr bekannte Spezialität sein, aber die Hefeplinsen, die wir dort genießen konnten, waren mindestens ebenso schmackhaft. Bei einer Tasse Kaffee oder Tee konnten wir uns über die Erlebnisse des Tages und vieles Weitere austauschen und den Tag genießen.
Im örtlichen Freilandmuseum wurde das Leben in Lehde im 19. Jahrhundert anschaulich dargestellt, aber nur die Schnellsten hatten Gelegenheit, in das interessant gestaltete Museum zu gehen. Das allerdings könnten wir uns ansehen, wenn wir, wie Stadtführerin Milena es sich gewünscht hat, noch einmal wiederkommen.

Das ist gar nicht unwahrscheinlich, denn auf dem Rückweg zum Bahnhof, den wir zu Fuß zurücklegten, war genügend Zeit, über den Tag nachzudenken und festzustellen: Die Stadt Lübbenau und der Spreewald als Region haben weit mehr zu bieten als saure Gurken. In ihnen kann man viel über eine reichhaltige Tradition lernen, wunderschöne Gebäude entdecken und sich bei einer Kahnfahrt oder Kaffee und Hefeplinse erholen.

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