Das Lehrerkollegium auf Exkursion in Dresden

Langfristig vorbereitet, war es am 3. Adventswochenende soweit: Das Kollegium der Campus Berufsfachschulen Berlin für kaufmännische und technische Assistenten reiste am 11. Dezember nach Unterrichtsschluss in die sächsische Landeshauptstadt. Im Gepäck viele Erwartungen auf kulturelle Erlebnisse in der Stadt an der Elbe, liebevoll ob ihrer Kunstsammlungen, ihrer barocken und mediterranen Architektur in landschaftlich reizvoller Lage auch "Elbflorenz" genannt.

Auf unserem Besuchsprogramm stand eine Stadtrundfahrt, eine Führung zu den historischen Sehenswürdigkeiten - Zwinger, Semperoper, Katholische Hofkirche, Frauenkirche, Brühlsche Terrasse, Residenzschloss, Fürstenzug. Höhepunkt und Ausklang unseres Aufenthalts in Dresden bildete am Abend des 12. Dezember ein Konzert in der Frauenkirche.

Natürlich durfte ein Besuch des traditionellen Dresdner Striezelmarktes nicht fehlen, der in diesem Jahr zum 575. Mal auf dem Altmarkt seine Pforten öffnete. Im Jahre 1434 erstmalig urkundlich erwähnt, gehört er in der Weihnachtszeit zu den Anziehungspunkten der Elbmetropole.

Den Auftakt unseres Besuchs in Dresden bildete ein Gesellschaftsabend im Hotel "Pappritzer Hof", in dem wir auch Quartier genommen hatten und vorbildlich betreut wurden.

Weltkulturerbe im Blick

Dank der sachkundigen Führung durch Herrn Wolfgang Kuntzsch, Mitglied im Berufsverband Dresdner Gästeführer e.V., erfuhren wir interessante historische Details zu den weltbekannten Kulturstätten. Ausführlich informierten wir uns über die Geschichte des Dresdner Zwingers. Während der Regentschaft Friedrich August I. (August der Starke, 1670-1733) erbaut, ist der Zwinger ein barock geprägter Gebäudekomplex mit Gartenanlagen, umgeben von Semperoper, Theaterplatz, Hofkirche, Schloss, Schinkelwache, Taschenbergpalais und Schauspielhaus.

Der Zwinger beherbergt verschiedene Kunstsammlungen. Interessierte Kollegen ließen es sich nicht nehmen, die weltberühmte Gemäldegalerie Alte Meister zu besuchen.

Neben Meisterwerken weltberühmter Maler des 16. bis 18. Jahrhunderts konnten in den verschiedenen Museen herausragende Bestände der Porzellansammlung sowie historische Uhren und wissenschaftliche Instrumente aus drei Jahrhunderten betrachtet werden. Die Juwelen und Preziosen des Grünen Gewölbes sowie Gebrauchs- und Luxusgegenstände des sächsischen Hofes im Kunstgewerbemuseum lassen den Besucher anschaulich in einer reichen Geschichte wandeln. Die Waffen- und Kostümausstellung der Rüstkammer, das Münzkabinett mit Orden und Medaillen zu bedeutsamen Ereignissen der sächsischen Geschichte sowie eine Ausstellung regionaler Volkskunst runden den Überblick für den Besucher ab. Die Skulpturensammlung und das Kupferstich-Kabinett laden zu einer weiteren Zeitreise ein. Von den frühen Kulturen bis in die Gegenwart präsentieren sie herausragende Kunstwerke weltweit bekannter Künstler, während sich die Galerie Neue Meister namentlich der Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts widmet.

Auf dem Theaterplatz ließen wir den Blick zu imposanten Bauwerken schweifen. Zusammen mit dem Italienischen Dörfchen, der Altstädtischen Hauptwache und der Hofkirche bilden der Zwinger und die Semperoper die architektonische Einheit des Theaterplatzes. Unsere besondere Aufmerksamkeit galt der Semperoper. Das Bauwerk wurde in seiner Geschichte zweimal zerstört. Dadurch war die Oper in ihrer 160 jährigen Geschichte gezwungen, in mehr als 50 Jahren an einem anderen Ort zu spielen.

Die feierliche Wiedereröffnung der Dresdner Semperoper am 13. Februar 1985 mit Carl Maria von Webers "Der Freischütz" erfolgte genau 40 Jahre nach der verheerenden Zerstörung des Hauses in der Bombennacht vom 13./14. Februar 1945.

Beim Schreiben dieser Zeilen werden beim Verfasser schreckliche Erinnerungen an jenes Inferno vor nunmehr vierundsechzig Jahren wach, das er als damals dreijähriger Junge miterlebte - total ausgebombt und im wahrsten Sinne des Wortes das nackte Leben rettend.

Fast acht Jahre sollten seit der Grundsteinlegung am 24. Juni 1977 vergehen, um den traditionsreichen Bau Gottfried Sempers wieder zu einem der schönsten und glanzvollsten Opernhäuser Europas erstehen zu lassen.

Große Namen der Musikgeschichte verbinden sich seit jeher mit dem Dresdner Opernhaus. Carl Maria von Weber, Richard Wagner, Richard Strauss, Ernst von Schuch oder Karl Böhm sind nur einige der Berühmtheiten, die der Semperoper und ihrem Hausorchester, der Staatskapelle Dresden, zu ihrer überragenden internationalen Reputation verhalfen.

Lange verweilten wir auf dem Neumarkt mit Blick zur Frauenkirche, die ebenfalls der Feuersbrunst im Februar 1945 zum Opfer gefallen war und im Sinne des genialen Baumeisters George Bähr wieder erstanden ist. Diese Aufbauleistung - von den Vorbereitungen einer Bürgerinitiative zum Wiederaufbau im November 1989, der 1993 begonnenen Enttrümmerung der Ruine bis zur Weihe der Kirche am 30. Oktober 2005 - legt ein weithin sichtbares Zeugnis weltweiten Bürgerengagements ab. Hunderttausende Menschen in der ganzen Welt haben ihren Beitrag zum Wiedererstehen dieses architektonischen Meisterwerkes geleistet. Wir haben vom komplizierten Planungsprozess erfahren und eine Vorstellung darüber gewonnen, wie historisches Handwerk und moderne Technologie miteinander verflochten sind. Inzwischen haben Millionen Menschen die neu entstandene Dresdner Frauenkirche besucht. Wir sind tief beeindruckt von der schöpferischen Leistung der Planer, der Architekten, der Statiker, der Künstler verschiedener Genres, der Bauleute unterschiedlichster Gewerke.

Ein unvergessliches Kunsterlebnis

Zu einem unvergesslichen Erlebnis wurde für uns das abendliche Adventskonzert "O magnum mysterium" des Hilliard Ensembles in der beeindruckenden Atmosphäre der voll besetzten Frauenkirche. In den mehr als dreißig Jahren seines Bestehens hat sich das Ensemble einen unverwechselbaren Ruf erworben. Heute gilt es als eines der weltbesten Vokalensembles. Es hat sich auf die Musik vor 1600 spezialisiert.

Die Advents- und Weihnachtsmusik wurde eingeleitet mit dem gregorianischen Choral von Pierre de la Rue (1460? - 1518) "Puer natus est nobis" (Ein Kind ist uns geboren) Pierre de la Rue war der Lieblingskomponist der Margarethe von Österreich, Statthalterin der habsburgischen Niederlande. Er komponierte vorwiegend sogenannte Cantus-firmus-Messen. Jeder Satz dieser Messen beruhte auf einer bereits vorhandenen musikalischen Vorlage ("Cantus prius factus" - vorher gemachter Gesang) Zwischen den Sätzen der Messe "Puer natus est" brachte das Ensemble Weihnachtsmotetten aus der Zeit zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert zu Gehör. Jahrhundertelang war die Motette die zentrale Gattung der mehrstimmigen Vokalmusik.

Die einzigartigen Stimmen von David James (Countertenor), Steven Harrold (Tenor), Rogers Covey-Crump (Tenor) und Gordon Jones (Barriton) ließen Motetten von Richard Smert (um 1400 - 1478/79), Pomponio Nenna (1556 - 1614) und Josquin des Pres (um 1450 - 1521) in exzellenter Akustik erklingen.

Fasziniert von dem Erlebten, verabschiedeten wir uns aus Dresden und kehrten mit tiefen Eindrücken in dem Bewusstsein nach Berlin zurück, dass Kultur unverzichtbarer Teil unseres Lebens ist, Kraft spendet und schöpferische Kräfte für die tägliche Arbeit weckt.

Impressionen

  • Das Kollegium vor dem Dresdner Zwinger
  • Theaterplatz
  • Auf dem Theaterplatz
  • Auf dem Neumarkt
  • Vor dem Fürstenzug
  • Impressionen vom Weihnachtsmarkt an der Frauenkirche
  • Blick zur Semperoper
  • Während des Adventskonzerts in der Dresdner Frauenkirche
weitersagen nach oben zurück