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Mobbing in Berufsfachschulen

Nicht bei den Opfern nach Ursachen suchen

Immer häufiger wird von Mobbingfällen in Berufsfachschulen oder Institutionen der Erwachsenenbildung berichtet. Zwar geht es hier weniger um körperliche Gewalt (wie etwa in den Grund- und Sekundarschulen), der statistisch erfasste Zuwachs ist jedoch alarmierend. Zu beobachten ist, dass Mobbingaktionen von Erwachsenen wesentlich häufiger in den Sozialen Medien stattfinden. Wenn es jedoch zu körperlichen Übergriffen kommt, sind sie brutaler als bei den Kindern oder Teenagern

„Mobbing kommt in allen Altersstufen vor“, berichtet Dipl.-Psych. Andrea Richter. In einer Studie an der Universität Koblenz im Jahr 2007 berichteten 54,3% der Beteiligten, von Mobbing betroffen zu sein. Gefährdet sind in den Schulen meistens schwache, kleine, übergewichtige, ängstliche oder schüchterne Kinder und Jugendliche. Bei den Erwachsenen der Berufsfachschulen kommen verstärkt weitere Faktoren hinzu, wie z.B. Herkunft, Hautfarbe und Sprachkenntnisse. Es wird aber viel zu oft bei den Opfern nach Ursachen gesucht.

Laut dem deutschen Schulpädagogen und -forscher Wolfgang Melzer kann man Mobbing nicht auf bestimmte Täter- und Opferpersönlichkeiten zurückführen, sondern auf das Schulklima.

Bekanntlich sollten Mobbingfälle so früh wie möglich diskutiert und thematisiert werden, bevor es zu einer Eskalation kommt. Nur wie sollen Mobbingopfer den Mut finden, sich auszusprechen? Niemand will als Verpetzer die Lage noch verschlimmern – auch nicht Erwachsene. Der erste Schritt sollte von Lehrern und Schulleitung ausgehen. Schaffen wir ein gutes Schulklima in unseren Berufsfachschulen, so helfen wir aktiv den von Mobbing gefährdeten Schülern, einen Weg aus dem Schweigedruck zu finden. Dafür gibt es eine breite Palette von Möglichkeiten: die Nennung von Vertrauenslehrern, ein Angebot an psychologischer, sozialer und Rechtsberatung für Schüler und die Organisation von sportlichen oder kulturellen Schulaktivitäten. Hilfreich sind auch Fortbildungen und Seminare für Mitarbeiter und Dozenten.

Die Einführung eines Klassenrates hat sich in Schulen ebenfalls als eine effektive Maßnahme in der Mobbing-Prävention bewährt. Durch das Mitspracherecht im Klassenrat stärken Schüler ihr Selbstbewusstsein; gleichzeitig beteiligen sie sich aktiv an der Gestaltung des Zusammenlebens in der Schule. Wie lange wollen wir warten, um den Klassenrat auch im Schulkonzept von Berufsfachschulen zu integrieren?

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