Was ist Moodle?
Moodle ist eine Software für Online-Lernplattformen. Sie arbeiten in Kursräumen mit den anderen Teilnehmern zusammen. Besonders stark ist Moodle in der Förderung der Kooperation. Die Erarbeitung von Lerninhalten in der Gruppe verbessert das Lernergebnis. Moodle eignet sich daher auch für die Projektgruppenarbeit, als Knowledgebase und für den Mitarbeiter- und Kundensupport.
Weltweit gibt es kein Lernmanagementsystem mit größerer Verbreitung. Über 50.000 Installationen vom kleinen System für einen einzelnen Trainer bis hin zu Hochschulen mit 20.000 Kursen oder über 400.000 Studenten nutzen Moodle. Die Oberfläche steht in 75 Sprachen zur Verfügung und alles auf Open-Source-Basis ohne Lizenzkosten.
Warum Moodle?
Worin liegt für Campus Berlin der Mehrwert eines Systems wie Moodle, das ja gerade seine Stärke darin hat, dass es sehr flexibel an die Bedürfnisse des Lehrers, Dozenten oder der Lernenden angepasst werden kann, sich also einer verallgemeinernden Betrachtung in ganz besonderem Maße entzieht?
Ganz allgemein gesprochen, ergibt sich der Mehrwert von Moodle aus der Ermöglichung und/oder Stärkung von nicht-gleichzeitigen Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten: Bei traditionellen Unterrichtsmethoden müssen in der Regel Lernende und Lehrer zum gleichen Zeitpunkt im gleichen Raum sein. Plattformbasiertes Lernen hat seine Stärke darin, dass die Lernenden unabhängig von Ort und Zeit (asynchron) Informationen austauschen und miteinander kommunizieren können:
- Für unterschiedliche Lernende können so unterschiedliche Lernumgebungen zur Verfügung gestellt werden. So ist es möglich, z.B. einen Kurs für Vokabellernen und einen anderen für Grammatik-Übungen zur Verfügung zu stellen.
- Die Lernenden haben somit - sofern vom Dozenten oder Lehrer so vorgesehen - die Wahl zu bestimmen, wann, was und von wo sie lernen. Wer für den Vokabelteil mehr Zeit benötigt, kann den Grammatikteil von einem beliebigen Ort aus später nacharbeiten. (flexible and distance Ansatz).
- Die Lernenden können dadurch ihren Lernprozess in einem vorgegebenen Rahmen selbst steuern, sich aber auch gegenseitig unterstützen und helfen. Hilfesysteme können einerseits in den Kursraum selbst eingebettet werden, andererseits erlauben es Foren auch Rückfragen zu genau dem Zeitpunkt zu stellen, an dem die Probleme beim Lernen auftauchen. Die Antworten müssen nicht vom Kursleiter kommen - die Lernenden können sich gegenseitig unterstützen, z.B. Antworten auf Fragen anderer Lernender in den Foren formulieren.
- Darüber hinaus wird die Zusammenarbeit insgesamt erleichert, was sich vor allem beim projektförmigen Unterricht und Arbeitsunterricht positiv bemerkbar macht.
- Dazu kommt, dass bei Moodle multimediale Inhalte über spezielle Filter eingebunden werden können.
Insgesamt entscheidend ist aber nicht das System Moodle an sich - Lernplattformen haben sowohl Medien- wie auch Methodencharakter -, sondern die konkrete Umsetzung im Rahmen eines Kursraumes und dessen Einbindung in den konkreten Unterricht.
Sicherlich lassen sich einige der genannten Vorteile auch auf konventionellem Weg herstellen: So müssten z.B. für den Austausch von Gruppenarbeitsergebnissen und deren anschließende Kommentierung durch Schüler wie Lehrer im Rahmen eines traditionellen Unterrichts mehrere von Hand kopierte Versionen der Schülertexte, nachdem diese um Anmerkungen ergänzt wurden, immer wieder neu kopiert und ausgeteilt werden, wobei immer alle zur gleichen Zeit im gleichen Raum anwesend sein müssten, um zusammen arbeiten zu können.
Auf einer Plattform wie Moodle stellen die Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse den anderen z.B. durch Upload eines Dokumentes zur Verfügung, die dann zeitlich und räumlich unabhängig voneinander ihre Kommentare und Bewertungen abgeben (z.B. in einem Forum) oder sogar direkt in die Dokumente einarbeiten können (z.B. in einem Wiki). Hierzu sind dann weder Kopierer nötig, noch müssen immer alle zur gleichen Zeit am selben Ort die gleichen Arbeitsschritte ausführen.
Kein Automatismus
Der Einsatz einer Plattform allein wird nicht, quasi automatisch, zu einem wie auch immer gearteten Mehrwert, zu besseren Lernergebnissen (was auch immer die Beteiligten hierunter verstehen wollen) oder besseren Noten führen. Die Gründe für das Scheitern von Lernplattformen - gerade wenn diese wie Moodle auf Kollaboration setzen - sind vielfältig:
Einerseits erschweren die vorhandenen Schulstrukturen den Einsatz von Plattformen durch die gesetzten Rahmenbedingungen: Hierzu zählen der 45-Minuten-Takt, Probleme bei der Verfügbarkeit von Geräten und mit der Technik, die Haltung der Administratoren im schuleigenen Netz zu Moodle und hier vor allem die Befürchtung, dass durch die Installation mit zeitlichem Mehraufwand zu rechnen ist, das Buchungsverfahren für die Informatikräume, die Vorkenntnisse der Beteiligten, aber auch die Lehrpläne und Schwierigkeiten bei der Organisation von fächerübergreifendem Unterricht.
Andererseits sind auch nur wenige Lernende tatsächlich bereit, in Netzwerken zu lernen, in denen ihr Fortkommen vom Lernfortschritt der anderen abhängig ist. Im Unterschied zur Zusammenarbeit (Schüler 1 erstellt Text 1, Schüler 2 erstellt Text 2 etc.) erfordert Kollaboration die gemeinsame Arbeit an einem Thema. Dazu kommt, dass der Blick auf Bildung bei allen Beteiligten vom Frontalunterricht und einer traditionellen Lehrerrolle als Allwissendem geprägt ist, so dass ein programmierter Unterricht von einer großen Zahl von Lernenden (und deren Eltern) auch erwartet wird. Dieser ist jedoch für die Arbeit in virtuellen Netzen ungeeignet, weil der Prozess der Wissensaneignung zum einen häufig nicht formalisierbar ist, zum anderen, weil virtuelle Lerngruppen anderen sozialen Gesetzmäßigkeiten folgen als Gemeinschaften, die sich im Klassenzimmer begegnen (face-to-face-Gemeinschaften).
Der Lehrende hat in virtuellen Umgebungen ganz andere Aufgaben, z.B. die der Moderation des Lernprozesses. Dazu kommt auch, dass bei einer nicht unbeträchtlichen Anzahl an Lernenden eine Konsumhaltung festzustellen ist. Selbstbestimmung definiert sich für viele nur als Möglichkeit dem Lernprozess in der Gruppe beizuwohnen - oder auch nicht. Selbstbestimmung wird nicht als Chance gesehen, sich selbst zum Lehrenden zu machen. Virtuelle Lernsysteme werden aber ohne aktive Lieferung von Inhalten (Dokumente, Beiträge in Foren und Wikis) durch die Lernenden nicht funktionieren können, weil die Stärke von Netzwerken gerade im Verteilen von Aufgaben auf die gesamte Gruppe liegt. Die Offenheit des Lernprozesses im Netzwerk - bis hin zur Verhandelbarkeit der Lernziele - und die notwendige Identifikation mit dem Lerngegenstand verhindert zwar die "Entfremdung vom Lerngegenstand", überfordert die Beteiligten aber häufig.
Es kann deswegen gerade nicht darum gehen, Spiegelbilder existierender Lernarrangements zu entwickeln und diese mit einem neuen technischen Hochglanzformat zu überziehen, sondern virtuelle Lernumgebungen müssen sich die in den Netzwerken liegenden eigenen Möglichkeiten erschließen. Damit steht bei der Entwicklung von Lernplattformen nicht die technischen Umsetzung und Machbarkeit im Vordergrund, sondern die Vereinbarungen der Lerngruppe.
Der Mehrwert von Moodle liegt damit weniger in einer Verkürzung der Lernzeiten für die Schüler oder einer Reduktion der Vorbereitungszeit für die Lehrer, als vielmehr der Unterstützung eines kooperativen und zieloffenen Lernprozesses. Virtuelles Lernen wird auch nicht isoliert betrachtet werden können, sondern wird Teil eines Lernarrangements, in dem vor allem den face-to-face-Phasen eine zentrale Bedeutung zukommt. Die Literatur nennt das blended learning. Damit wird unter E-learning weniger eine neue mediale Qualität verstanden, als vielmehr eine neue Methode des Lernens geprägt, die sich am Konstruktivismus orientiert.
Lernen in Netzwerken fordert die Lernenden dazu auf, ihren Lernprozess selbst in die Hand zu nehmen. Der Schüler steht hier im Mittelpunkt des Unterrichts - die Lehrenden fördern, betreuen, helfen und kümmern sich um die Rahmenorganisation, treten also keineswegs komplett von der Bühne ab.
Moodle trägt dazu bei, dass sich diese moderne Form von Unterricht leichter organisieren lässt.
Quelle: 2009, Landesakademie f. Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen, Bad.-Württembg.




