16. März 2021

Die Lernwerkstatt

Das Konzept unserer Lernwerkstatt

Die komplexen Herausforderungen unserer Zeit in den Bereichen Pflege und Pädagogik erfordern, die Lehr- und Lernprozesse in der schulischen Ausbildung an diese Gegebenheiten anzupassen. Neben einem schulischen Digitalisierungskonzept geht es im Wesentlichen darum, vorgegebene, durchgeplante Unterrichtseinheiten zu überdenken, zunehmend zu öffnen und neue, die Selbstwirksamkeit fördernde Lerneinheiten zu konzipieren. So können Studierende den eigenen Lernweg verstehen, vielfältige berufliche Kompetenzen entwickeln und selbstverantwortlich handeln. Aus pädagogischer Sicht sind unsere Studierenden nur so den sich verändernden Ansprüchen des Arbeitsmarktes im 21. Jahrhundert besser gewachsen.

In diesem Prozess bildet neben moderner, medial-vielfältiger Unterrichtsgestaltung mit verschiedenen Lernformen, Selbstlerneinheiten und interdisziplinärer Kompetenzvermittlung unsere Lernwerkstatt eine weitere wichtige Neuerung. Die Lernwerkstatt soll den traditionellen Unterricht nicht ersetzen, sondern ergänzen, da hier wesentliche Kompetenzen eingeübt und gefestigt werden, die sich im eher lehrerzentrierten Unterricht weniger entfalten können.

Neben der Unterrichtsentwicklung bietet unsere Lernwerkstatt auch einen Beitrag zur Schulentwicklung, da sie eine aktive Auseinandersetzung mit der Rolle der Lernbegleiter fordert und fördert. Hier sind Lehrende und Studierende in vielfältiger Weise gefordert, Rollen zu überdenken und Partizipationsmöglichkeiten zu nutzen. Es ist eine Chance für eine kollegial getragene Schulentwicklung, in der sich Lehrende und Lernende gemeinsam austauschen, so neue Lernformate entwickeln und ihre Kompetenzen weiterentwickeln können. Zugleich erleichtert die Lernwerkstatt interdisziplinäres Lehren und Lernen, da hier auf vielfältige und oft spielerische Weise Querverbindungen zwischen sprachlichen, mathematischen, medialen, naturwissenschaftlichen und pädagogischen Fragestellungen hergestellt werden können. So wird „lebenslanges Lernen“ Realität statt Phrase.

Ziel

Das Ziel ist der Aufbau einer Lernwerkstatt nach einem teiloffenen Prinzip. Den Studierenden ermöglichen wir damit ein selbstbestimmtes und selbstverantwortliches Lernen. Im Schulalltag soll die Lernwerkstatt der selbstständigen Vertiefung von Fachwissen dienen und den Schüler*innen die Möglichkeit bieten, Bildungsaufträge und Projekte für ihre fachpraktischen Einsätze zu konzipieren und vorzubereiten. Dies kann in der schulfreien Zeit als auch im Lernen in anderen Lernformen oder im Wahlpflichtbereich erfolgen. Eine anregende Lernumgebung soll forschendes und digital gestütztes Lernen ermöglichen, die Motivation der Studierenden steigern und sich auf das Gesamtlernverhalten positiv auswirken.

Lernen in der Lernwerkstatt

Die Lernwerkstatt soll für unsere Studierenden vor allen Dingen ein Ort sein, an welchem Sie ungestört und in Ihrem eigenen Tempo lernen, sich selbstständig Fragen zu stellen und sich diese mithilfe eigener Lernwege zu beantworten. Es sollen der Raum und das Material zur Selbstbildung bereitstehen, auch in Fächern, die vielleicht im ersten Moment nicht den Vorlieben der Studierenden entsprechen, die jedoch Grundlage sowohl für den Alltag, als auch für die Ausbildung darstellen können.

Unterstützt werden die Studierenden von Mentor*Innen, die ihnen bei Bedarf beratend zur Seite stehen, sie unterstützen, ihr Sprachrohr gegenüber dem Kollegium bilden und zur Weiterentwicklung der Lernwerkstatt beitragen. Die Rolle der Lernbegleitung ist eine zurückhaltende, wertschätzende und unterstützende. Auf expliziten Wunsch der Forschenden stehen die Lernbegleitenden zur Verfügung, um eventuelle Denkanstöße zu geben oder kreative Prozesse zu fördern.

Das teiloffene Konzept der Lernwerkstatt gibt Studierenden mit einem größeren Bedürfnis nach Vorgaben die Möglichkeit, dieses auch anhand von ausformulierten Modulen zu befriedigen. Auch das Einbringen einzelner Elemente und Materialien in den Regelunterricht, ist Dank der räumlichen Flexibilität möglich. In dieser Form steht die Lernwerkstatt den Studierenden unter der Woche, ab 15 Uhr, zur Selbstbildung zur Verfügung. Am Donnerstag findet derzeit wöchentlich ein Sprachcafé statt. Während der Unterrichtszeit kann der Raum im Sekretariat für Klassen, die in der Lernwerkstatt lernen, von Lehrkräften gebucht werden.

Inhaltliche Bausteine

Das Kollegium hat nach Absprache drei inhaltliche Schwerpunkte entwickelt, die als Säulen auf- und ausgebaut werden. Die drei Säulen der Lernwerkstatt sind Mathematik-Naturwissenschaften, Sprachbildung und Medien.

Mathematik-Naturwissenschaften

Die Säule Mathematik-Naturwissenschaften soll den Studierenden aller Schulen der Einrichtung die Möglichkeit geben, sich selbstgesteuert und in eigenem Tempo den Chancen und Herausforderungen dieses Faches zu stellen.Der häufig zurückhaltenden Einstellung diesem Gebiet gegenüber soll durch spannende, ansprechende und alltagstaugliche Materialien und Themen entgegengewirkt werden. Dies kann zum einen im Regelunterricht, im Wahlpflichtunterricht und auch außerhalb der eigentlichen Unterrichtszeiten, zum Beispiel währende des Lernens in anderen Lernformen, erfolgen.

Zur Selbstschulung neben dem forschenden, selbstinitiierten Lernen gibt es ausformulierte Module, die mit einer Lernsituation eingeleitet werden und in entsprechende Aufgabenstellungen bearbeitet werden. So ist es allen Studierenden individuell möglich zu wählen, wie viel Unterstützung er oder sie im Selbstlernprozess erhalten möchte. In diesem Zusammenhang bietet diese Säule für die pädagogischen Fächer nicht nur die Möglichkeit, das eigene Allgemeinwissen zu erweitern, sondern auch pädagogisches Handeln zu trainieren. In den heilpädagogischen, pflegerischen Fächern können mittels naturwissenschaftlich-mathematischen Angeboten die Grundlagen der Mathematik, Anatomie und Physiologie vertieft werden.

Sprachbildung

Die Säule „Sprachbildung“ bietet den Studierenden vielfältige Möglichkeiten, um sowohl ihre verbal-kommunikativen Kompetenzen, als auch ihr schriftliches Ausdrucksvermögen sowie ihre orthografischen und grammatikalischen Fähigkeiten zu verbessern. Dabei wird beispielsweise ein medial-basiertes Modul angeboten, in dem mit deutschen Songtexten gearbeitet wird. Hierbei können die Studierenden die Groß- und Kleinschreibung mithilfe von Lückentexten trainieren, aber auch ihre Lesefähigkeit erweitern, in dem sie sich weitergehende Informationen zu Texten und Künstlern erarbeiten. Darüber hinaus können sie sprachlich kreativ werden, in dem sie selbst ihren eigenen Songtext entwickeln.

Andere Module stärken gezielt die Lese- und Schreibkompetenz sowie die korrekte Verwendung der fachsprachlichen Begriffe innerhalb der einzelnen Ausbildungsgänge. Zudem liegt ein Fokus auf der Arbeit an orthografischen Fehlerschwerpunkten wie das/dass, Getrennt- und Zusammenschreibung oder Kommasetzung. Dieser Fokus trägt den Anfragen vieler Studierender Rechnung, da eine weitgehend fehlerfreie Orthografie innerhalb der Ausbildungsgänge für die Erbringung der schriftlichen Arbeiten vorausgesetzt wird.

Ein weiteres Angebot, das unter der Säule Sprachbildung angesiedelt ist, ist das Sprachcafé. Hier können die Studierenden aus unseren vier verschiedenen Schulen nach dem regulären Unterricht jeden Donnerstag gemeinsam in entspannter Atmosphäre ihre kommunikativen Fähigkeiten verbessern. Mit diesem Angebot versuchen wir insbesondere, aber nicht nur, den Bedürfnissen der Studierenden mit Migrationshintergrund gerecht zu werden.

Medien

Die Arbeit in der Lernwerkstatt ermöglicht auch digital gestütztes Lernen. Nach dem Medienkompetenzmodell von Dieter Baacke findet eine Stärkung der Medienkompetenz statt. Nach einer Kompetenzabfrage folgt die Erstellung von Unterrichtsmaterialien als OER (Open Educational Resources). Modulare Schulungen je nach Kompetenzabfrage werden für Lehrkräfte und Studierende konzipiert.

Es werden gezielt multimediale Kompetenzen gestärkt. Neben basalen PC-Kenntnissen und dem Umgang mit vielfältigen Programmen können die Studierenden einfache Programmiertechniken und Coding erlernen. Zudem kann beispielsweise das Equipment zur Erstellung von Trickfilmen genutzt werden. Auch gibt es Ton- und Videotechnik, die von den Studierenden zur Umsetzung moderner Filmformate ausgeliehen werden kann.

 

Weiterhin können zeitlich begrenzte schulübergreifende, interdisziplinäre Projekte in der Lernwerkstatt stattfinden. Dies kann in der schulfreien Zeit, als auch im Lernen in anderen Lernformen oder im Wahlpflichtbereich erfolgen. In jedem Semester bietet die Lernwerkstatt verschiedene Workshops an. So findet ab Februar 2020 z. B das Sprachcafé statt, in dem Lernende aus allen Ausbildungsgängen gemeinsam teilnehmen können, um ihre deutschen Sprachkenntnisse zu verbessern. Die Workshops stellen ein offenes und freiwilliges Angebot dar.