31. Juli 2026

Einfache und Leichte Sprache in der Heilerziehungspflege: Kommunikation, die Teilhabe ermöglicht

Informationen helfen nur, wenn sie verstanden werden. Deshalb gehört verständliche Kommunikation zu den wichtigen Kompetenzen in der Heilerziehungspflege. Doch worin unterscheiden sich Einfache und Leichte Sprache, wem helfen sie und wie können angehende Heilerziehungspfleger*innen sie im Berufsalltag einsetzen?

Verstehen ist eine Voraussetzung für Selbstbestimmung

Ein Arzttermin, eine Hausordnung, ein Hilfeplangespräch oder die Anmeldung zu einem Freizeitangebot: Im Alltag begegnen uns viele Informationen. Komplizierte Wörter, lange Sätze und abstrakte Formulierungen können jedoch zu Barrieren werden. Wer eine Information nicht versteht, kann schwerer Fragen stellen, verschiedene Möglichkeiten abwägen oder eine eigene Entscheidung treffen.

Für Heilerziehungspfleger*innen ist verständliche Kommunikation deshalb keine Nebensache. Sie begleiten Menschen mit unterschiedlichen Unterstützungsbedarfen und tragen dazu bei, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Der Berufsverband Heilerziehungspflege zählt die einfache, barrierefreie Sprache ausdrücklich zu den besonderen Kommunikationsformen des Berufs. Dazu gehören außerdem Gebärdensprache, Unterstützte und Basale Kommunikation sowie Piktogramme.

Einfache Sprache und Leichte Sprache: Was ist der Unterschied?

Die Begriffe werden häufig gleich verwendet. Sie bezeichnen jedoch unterschiedliche Formen verständlicher Kommunikation.

Einfache Sprache

Einfache Sprache orientiert sich stärker an der gewohnten Alltagssprache. Sie verzichtet möglichst auf Fremdwörter, komplizierte Satzkonstruktionen und unnötig abstrakte Formulierungen. Empfehlenswert sind unter anderem:

  • kurze und übersichtliche Sätze,
  • bekannte und konkrete Wörter,
  • eine klare Gliederung,
  • Halbsätze und Aufzählungen
  • gezeichnete Bilder

Info: Die DIN Norm 8581-1 vom April 2024 enthält Empfehlungen für die Einfache Sprache.

Leichte Sprache

Leichte Sprache ist stärker vereinfacht und folgt festgelegten Regeln. Informationen werden auf das Wesentliche reduziert, Wörter und Sätze besonders leicht verständlich formuliert und die Gestaltung an den Bedürfnissen der Zielgruppe ausgerichtet.

Ein wesentliches Merkmal ist die Prüfung durch Menschen mit Lernschwierigkeiten. Sie beurteilen, ob die Inhalte tatsächlich verständlich sind. Das Prüfen gehört nach dem Regelwerk des Netzwerks Leichte Sprache fest zur Erstellung eines Textes in Leichter Sprache.

Ein selbst formulierter, verständlicher Text ist deshalb nicht automatisch ein fachlich geprüfter Text in Leichter Sprache.

Quelle und Download Regelwerk Leichte Sprache: Netzwerk Leichte Sprache e.V. 

Wem hilft verständliche Sprache?

Einfache Sprache richtet sich an einen breiteren Personenkreis. Neben Menschen mit Lerneinschränkungen, sind dies Kinder, Menschen mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten, geringer Literalität oder Menschen mit geringen Deutschkenntnissen. Verständliche Sprache bedeutet dabei weder Kindersprache noch eine vereinfachende Ansprache, die Menschen nicht ernst nimmt. Entscheidend ist eine respektvolle Kommunikation, die sich an den individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen der jeweiligen Person orientiert.

Wie groß der Personenkreis tatsächlich ist, wurde zuletzt in der Sonderauswertung LEO PIAAC 2023 der Universität Hamburg ermittelt: Demnach verfügen in Deutschland rund 10,6 Millionen Erwachsene zwischen 16 und 65 Jahren über geringe Lese- und Schreibkompetenzen. Das entspricht etwa 20 Prozent dieser Altersgruppe. (Quelle: Universität Hamburg, Leo-PIAAC-Studie)

Einfache Sprache im Berufsalltag der Heilerziehungspflege

Heilerziehungspfleger*innen arbeiten beispielsweise in Wohneinrichtungen, Werkstätten und Tagesförderangeboten sowie in Einrichtungen der Bildung und Begleitung. Dort müssen sie täglich Informationen vermitteln, Fragen beantworten und gemeinsam mit den begleiteten Menschen Entscheidungen vorbereiten.

Einfache Sprache kann dabei helfen,

  • den Tages- oder Wochenablauf zu erklären,
  • auf Termine vorzubereiten,
  • Regeln und Vereinbarungen verständlich zu besprechen,
  • Wahlmöglichkeiten deutlich zu machen,
  • Rechte und Ansprüche zu erläutern oder
  • Gespräche mit Angehörigen und anderen Fachkräften verständlicher zu gestalten.

Schon kleine sprachliche Veränderungen können einen Unterschied machen. Hier ein Beispiel:

Kompliziert: „Die Teilnahme an der Veranstaltung setzt eine vorherige Anmeldung voraus.“             Einfacher: „Sie möchten an der Veranstaltung teilnehmen? Dann melden Sie sich bitte vorher an.“

Dabei geht es nicht nur darum, Sätze zu verkürzen. Gute verständliche Kommunikation berücksichtigt auch das Vorwissen, die aktuelle Situation und die bevorzugte Kommunikationsform eines Menschen. Manchmal reichen klare Worte aus. In anderen Situationen können Bilder, Piktogramme, Gebärden oder elektronische Kommunikationshilfen zusätzlich notwendig sein.

Selbstständiges Lernen in der HEP 22

Zum Ende ihres zweiten Semesters und kurz vor den Sommerferien beschäftigten sich die angehenden Heilerziehungspfleger*innen der HEP 22 bei Campus Berlin intensiv mit dem Thema. Im Rahmen des selbstständigen Lernens absolvierten sie den Online-Selbstlernkurs „Einfache Sprache“ auf der digitalen Lernplattform der Aktion Mensch. Der Kurs vermittelte ihnen die Grundlagen und erhielten damit auch praktische Anregungen, die sie künftig auf Gespräche, Informationsmaterialien und konkrete Situationen in ihren Praxiseinrichtungen übertragen können.

Tipp: Dieser 10-stündige Selbstlernkurs ist einer unter mehren kostenfreien Angeboten der Digitale Lernplattform von Aktion Mensch e.V. 

Vielfältige Kommunikation in der HEP-Ausbildung bei Campus

Menschen kommunizieren auf unterschiedliche Weise. Deshalb lernen angehende Heilerziehungspfleger*innen bei Campus Berlin verschiedene Möglichkeiten kennen, Kontakt aufzubauen, Informationen zugänglich zu machen und individuelle Verständigung zu unterstützen.

Die praxisorientierte HEP-Ausbildung umfasst unter anderem spezialisierte Angebote zur Unterstützten Kommunikation und Logopädie. Auch die Deutsche Gebärdensprache ist fest in das Ausbildungsangebot integriert. Einfache Sprache ergänzt dieses Kommunikationsrepertoire sinnvoll.

Sie ist kein Ersatz für Gebärdensprache, Unterstützte Kommunikation oder andere individuell notwendige Hilfsmittel. Sie ist vielmehr eine weitere Möglichkeit, sprachliche Barrieren abzubauen und Menschen dabei zu unterstützen, eigene Wünsche zu äußern, Informationen einzuordnen und Entscheidungen mitzutreffen.

FAZIT: Verständlich kommunizieren heißt Teilhabe ermöglichen

Professionelle Kommunikation in der Heilerziehungspflege beginnt nicht mit der Frage: „Warum versteht die Person mich nicht?“ Entscheidend ist vielmehr die Überlegung: „Wie muss ich kommunizieren, damit wir uns gegenseitig verstehen können?“

Einfache und Leichte Sprache leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Sie machen Informationen zugänglicher und schaffen bessere Voraussetzungen für Mitwirkung, Selbstbestimmung und Inklusion. Für angehende Heilerziehungspfleger*innen ist der bewusste Umgang mit Sprache deshalb eine wichtige Kompetenz für ihren späteren Berufsalltag.

Sie interessieren sich für die Ausbildung in der Heilerziehungspflege?

Bei Campus Berlin können Sie die dreijährige Ausbildung in Vollzeit oder berufsbegleitend absolvieren und lernen, Menschen professionell, respektvoll und individuell zu begleiten.

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