7. Juli 2026

GuK in der Erzieherausbildung: Sprache, Teilhabe und Inklusion stärken

Erzieher*innen begleiten Kinder in einer entscheidenden Phase ihrer Entwicklung. Sie unterstützen Kinder dabei, Beziehungen aufzubauen, die Welt zu entdecken, Konflikte zu lösen und eigene Bedürfnisse auszudrücken. Sprache spielt dabei eine zentrale Rolle.

Doch nicht jedes Kind kann sich von Anfang an sicher über gesprochene Sprache mitteilen. Manche Kinder sprechen später, andere wachsen mehrsprachig auf, einige haben einen besonderen Unterstützungsbedarf in der Kommunikation. Genau hier kann Gebärden-unterstützte Kommunikation, kurz GuK, helfen.

Bei Campus Berlin greifen wir diesen Ansatz in der Erzieherausbildung auf und geben ihm mehr Raum im Unterricht. Insbesondere in einer Großstadt wie Berlin brauchen Erzieher*innen Methoden, um allen Kindern den Zugang zur deutschen Sprache und zur Gemeinschaft und Mitmachen im Alltag zu erleichtern.

Tipp: Die GuK App vom Deutschen Down-Syndrom InfoCenter

Erste Einblicke in GuK ermöglicht die GuK App vom deutschen Down-Syndrom InfoCenter. Die erste Lektion ist kostenfrei.

Quelle: https://www.guk-app.de/

Warum GuK für angehende Erzieher*innen wichtig ist

Unser Leben lebt von Kommunikation. Viele kennen das Gefühl, wenn sie im Ausland die heimische Sprache nicht sprechen und einfach nur nach dem Weg fragen wollen. Doch wie muss es sich anfühlen, wenn man in einem Land lebt, Teil einer Gemeinschaft ist, aber nicht kommunizieren kann?

Kinder möchten zeigen, was sie brauchen. Sie möchten erzählen, fragen, widersprechen, mitentscheiden und dazugehören. Wenn Sprache noch nicht (sicher) verfügbar ist, führt dies zu Frust, entmutigt und vereinsamt.

GuK kann hier unterstützen. Die Methode verbindet gesprochene Wörter mit einzelnen Gebärden. Dadurch werden Begriffe hör- und sichtbar. Damit verstehen Kinder Wörter besser und können sich früher auch schon mit Gesten und Gebärden mitteilen.

Zusätzlich lernen angehende Erzieher*innen durch GuK bei Kommunikation nicht nur über gesprochene Sprache zu denken. Sie werden sensibilisiert und entwickeln einen Blick dafür, dass Kinder (und eigentlich alle Menschen) sich auf vielen Wegen ausdrücken: mit Gesten, Blicken, Mimik, Bewegung, Lauten, Bildern oder Gebärden.

Dieser erweiterte Kommunikationsbegriff ist eine wichtige Grundlage für inklusive Pädagogik.

GuK als Baustein inklusiver Bildung

Inklusion bedeutet, dass Kinder mit unterschiedlichen Voraussetzungen gemeinsam lernen, spielen und aufwachsen können. Dafür reicht es nicht, dass alle Kinder im selben Raum sind. Entscheidend ist, ob sie sich beteiligen können.

Kommunikation ist dafür eine Grundvoraussetzung. Ein Kind, das „nein“, „mehr“, „fertig“, „helfen“ oder „nochmal“ ausdrücken kann, erlebt mehr Selbstbestimmung. Es kann Situationen mitgestalten und wird von anderen leichter verstanden.

GuK kann damit Teilhabe im Alltag fördern. Die Methode ist niedrigschwellig und lässt sich in viele pädagogische Situationen integrieren. Sie macht Sprache sichtbar und unterstützt Kinder, die noch nicht oder noch nicht sicher sprechen. Dabei profitieren nicht nur einzelne Kinder. Wenn eine Gruppe Gebärden gemeinsam nutzt, entstehen neue Formen von Aufmerksamkeit, Rücksichtnahme und Verständigung.

Praxisbeispiele: Wo GuK im Alltag eingesetzt werden kann

GuK eignet sich besonders für Situationen, die sich täglich wiederholen. Denn Wiederholung gibt Sicherheit. Kinder können Begriffe mit Handlungen verbinden und die Gebärden nach und nach selbst nutzen.

Im Morgenkreis können Begriffe wie „Hallo“, „singen“, „spielen“, „nochmal“ oder „fertig“ begleitet werden.

Beim Essen helfen Gebärden wie „trinken“, „essen“, „mehr“, „fertig“ oder „bitte“.

Beim Wickeln und in Pflegesituationen können Gebärden Orientierung geben, zum Beispiel „warten“, „helfen“, „fertig“ oder „sauber“.

Beim Spielen können Kinder mit Gebärden zeigen, ob sie „nochmal“, „tauschen“, „Ball“, „Auto“ oder „bauen“ möchten.

Bei Konflikten können Gebärden helfen, Gefühle und Bedürfnisse zu benennen: „Stopp“, „meins“, „helfen“, „traurig“, „wütend“.

So wird GuK nicht als isolierte Methode eingesetzt, sondern als Teil des Alltags.

Schnittstelle Erzieher*innen und Heilerziehungspflege

GuK ist auch deshalb spannend, weil sie an der Schnittstelle verschiedener pädagogischer Berufe liegt. Erzieherinnen arbeiten in Kitas, Schulen, Horten, Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und inklusiven Angeboten. Heilerziehungspflegerinnen begleiten Menschen mit Unterstützungsbedarf in unterschiedlichen Lebensbereichen.

Beide Berufsgruppen brauchen Kompetenzen in Kommunikation, Beziehungsgestaltung und Teilhabe. Unterstützte Kommunikation, Gebärden und andere alternative Kommunikationsformen können dabei eine wichtige Rolle spielen.

Für die Erzieherausbildung bedeutet das: Wer GuK kennenlernt, erweitert das eigene pädagogische Handlungsrepertoire. Angehende Fachkräfte lernen, Kinder nicht nur nach ihren sprachlichen Grenzen zu betrachten, sondern nach ihren Möglichkeiten zur Verständigung.

Mehr Informationen: https://www.ds-infocenter.de/information/familien/begleitung-und-fruehe-foerderung

Campus Berlin: Erzieherausbildung mit Blick auf Sprache und Teilhabe

Bei Campus Berlin steht die Verbindung von Fachwissen und Praxis im Mittelpunkt. Unser neuer Schwerpunkt Gebärden-unterstützte Kommunikation in der Erzieherausbildung knüpft genau daran an.

Angehende Erzieher*innen lernen, wie sie Kinder in ihrer sprachlichen Entwicklung begleiten und Kommunikation inklusiv gestalten können. Sie setzen sich damit auseinander, wie pädagogische Fachkräfte Sprache sichtbar machen, Teilhabe ermöglichen und Kindern mehr Ausdrucksmöglichkeiten eröffnen.

Das ist besonders wichtig, weil Kitas und Schulen Orte der Vielfalt sind. Kinder bringen unterschiedliche Erfahrungen, Sprachen, Bedürfnisse und Stärken mit. Pädagogische Fachkräfte brauchen deshalb Methoden, mit denen sie sensibel, professionell und handlungsfähig bleiben.

GuK kann ein solcher Baustein sein.

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