17. August 2023

Ich hätte es bereut, wenn ich es nicht gemacht hätte

Ein angehender Erzieher berichtet über sein Auslandspraktikum in Irland

Bestandteil der dreijährigen Ausbildung zum Erzieher*in sind insgesamt drei Praktika. Für das dritte und letzte Praktikum zog es einen unserer Studierenden mit Erasmus+ ins Ausland für fünf Monate nach Irland.

Lesen Sie im folgenden unser Interview mit Emil. Kaum wieder zurück in Berlin hat er sich für uns die Zeit genommen, von seinen Eindrücken zu erzählen. Er möchte damit auch alle Studierende an den Campus Fachschulen für die Idee begeistern, ein Auslandspraktikum mit Erasmus+ zu machen. Sein Fazit: Es ist wirklich für jeden eine einzigartige Gelegenheit für neue Freundschaften, besondere Erfahrungen und unvergessliche Momente.

Campus: Hallo Emil. Als Erstes vielen Dank für Ihre Zeit. Wir sitzen hier zusammen, weil Sie sich einen Wunsch erfüllt haben und mit Erasmus+ 5 Monate in Irland waren.

Emil: Das stimmt. Ich wäre schon gern in der 10. Klasse für ein Jahr ins Ausland gegangen. Doch waren Abenteuerlust und Neugierde noch nicht groß genug, um mich einfach auch zu trauen. Doch als ich dann über den Umweg von vier Semestern Chemiestudium die Erzieherausbildung bei Campus startete, wusste gleich im ersten Semester: Das dritte Pflicht-Praktikum wird ein Auslandspraktikum.

Campus: Hast du dich darauf besonders vorbereitet? Oder anders gefragt: Warum hast du dich für Irland entschieden?

Emil: Für Irland habe ich mich wegen der Sprache und der Natur entschieden. Als Ex-Schwimmer und Ruderer liebe ich Wasser und ich mag die Natur und das Grün. Cork in Irland bietet beides. Die Stadt ist von einem Fluss („River Lee“) durchzogen. Cork ist umgeben von Grün mit berühmten Wanderwegen wie der “Beara Way” entlang der Halbinsel Beara oder der “Sheeps Head Way” und der “Mizen Head Trail”. Noch in Berlin habe ich mich online über alle Rudermöglichkeiten in der Stadt informiert und wenige Monate vor dem Praktikum habe ich gemeinsam mit meiner Familie einen Camping-Erkundungsurlaub natürlich mit Zwischenstopp in Cork in Irland gemacht.

Campus: Dann war also nicht alles ganz sooo fremd für dich?

Emil: Nein. Und selbst wenn. Die Betreuung vor Ort war einfach perfekt. Die ersten 3 Tage wohnte ich bei einem lieben älteren Ehepaar, die mich auch am Bus-Bahnhof abgeholt haben. Es war ein unglaublich herzlicher Empfang. Generell sind die Menschen in Irland sehr herzlich, freundlich und offen. Danach bin ich in ein Haus extra für Praktikanten und Praktikantinnen aus dem Ausland gezogen. Das Haus hatte 5 Zimmer, Küche, Wohnzimmer, zwei Bäder und einen kleinen Garten. Die Zeit dort hat bei allen das beste rausgeholt. Wir konnten uns selbst organisieren, zusammen kochen, haben gemeinsam Ausflüge unternommen und sind abends am Wochenende ausgegangen – einfach eine tolle Zeit.

Campus: Das klingt nach Trubel und ein bisschen Chaos in Küche und Bad. Wie war das für dich?

Emil: Toll. Meine Mitbewohner kamen aus vielen verschiedenen Ländern. Natürlich musste auch ein Putzplan aufgestellt werden, wir wohnten da in Eigenregie. Doch wäre etwas schiefgelaufen, wäre ein Mitarbeiter der Partnerorganisation immer zu Stelle gewesen. Da war immer jemand ansprechbar und es gab auch ein Notfalltelefon.

Campus: Wie klappte es mit der Sprache? In Irland wird doch auch gälisch gesprochen, oder?

Emil: Im Haus hatten wir uns darauf geeinigt, dass wir immer Englisch sprechen. Eine Zeit lang wohnten zwei Niederländer im Haus. Auch die haben untereinander Englisch gesprochen, damit sich keiner ausgeschlossen fühlt. Irisch/gälisch ist zwar ein verpflichtendes Unterrichtsfach in der Schule und Orts- und Straßenschilder sind auf Irisch und Englisch, aber die Alltagssprache in Cork ist für alle Englisch. Es gibt vereinzelte kleine Regionen verteilt im Land, wo ausschließlich irisch gesprochen wird diese heißen „Gaeltachts“.

Campus: Was genau hast du im Praktikum gemacht? Wo hast du gearbeitet?

Emil: Ich war vom 12. Februar bis zum 23. Juli in Cork. Die ersten 16 Wochen habe ich in der Senior-Infants Klasse einer katholischen Privatschule für Mädchen gearbeitet. Die Mädchen waren 5 bis 6 Jahre alt. In Irland gehen die Kinder schon mit vier Jahren in die Schule. Erst in die Junior-Infants Klasse, dann in die Senior-Infants Klasse und dann im “dritten” Jahr kommen sie in die 1. Klasse. In meiner Klasse befanden sich 12 Kinder.

Campus: Reine Mädchenklassen, Uniform …ist schon anders als in Berlin. Was war in deinen Augen noch anders?

Emil: Der Unterricht war sehr produktorientiert und es gab keine Mensa, obwohl die Kinder von 8:30 bis 14:30 Uhr in der Schule waren. Jedes Kind kam mit zwei Taschen zur Schule. In einer war das Essen (Frühstück & Mittag) in dem anderen die Schulsachen. Gegessen wurde an einem Tisch im Klassenraum.

Campus: Das hätte ich jetzt bei einer Privatschule nicht erwarten. Was meinen Sie mit produktorientiert?

Emil: Jedes Halbjahr steht inhaltlich unter einem Motto, einem Thema. Während meiner Zeit war es ein Bilderbuch. Am Ende des Halbjahres zeigen die Kinder, was sie in einer Kombi von Ausstellung und Aufführung was sie gelernt haben. Sie singen, spielen Theater und stellen ihre gebastelten Werke aus. Schon in der Senior-Infants Klasse bekommen sie Hausaufgaben auf und führen Schulhefte für Mathe, Handschrift, Religion und Sprache.

Campus: Die letzten 7 Wochen haben Sie dann noch einen ganz anderen Bildungsbereich kennengelernt. Was war das?

Emil:Der komplette Gegensatz: Eine staatliche Vorschule in einem sozialen Brennpunkt von Cork. Vorschule in Irland ist wie unsere KITA. Andere Welt, andere Herausforderungen – weniger heile Welt. Da konnte ich vieles, was ich gelernt habe, anwenden: gezielte Bildungsangebote vom Papierflieger bis zu Experimenten mit Wasser, vom Stopptanz bis zu Kinder-Origami. Hilfreich waren auch meine Erfahrungen aus dem zweiten Praktikum, bei dem ich gelernt habe, mit der Autismus-Spektrums-Störung umzugehen.

Campus: Zwei Abschlussfragen: Was war die größte Herausforderung? Was war das Highlight?

Emil: Die größte Herausforderung war ganz sicher, sich täglich für die 2 Stunden für das Schreiben der Facharbeit zu nehmen. Die Ablenkung war schon groß. (Lacht)
Aus einem Highlight mach‘ ich mal viele. Ich habe eine ganze Liste an Highlights: eindeutig die neuen Freundschaften, die gemeinsamen Wandertouren, mein Geburtstagsgeschenk: der Besuch in einer Whisky Destillerie, der Ruderclub, bei dem ich trainiert habe, die Besuche meiner Freunde aus Berlin, den ich diese sympathische lebendige Universitätsstadt zeigen konnte und und und. Ich hätte es bereut, wenn ich es nicht gemacht hätte!

Campus: Emil, herzlichen Dank für Ihre Zeit. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und alles Gute.

Wissenswertes

Cork ist eine Stadt im Südwesten Irlands. Sie wurde im 6. Jahrhundert gegründet und ist die zweitgrößte Stadt des Landes. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 210.000 Menschen. Cork beherbergt die University College Cork (UCC), eine renommierte Universität mit einer traditionsreichen Geschichte. Die Stadt liegt am Fluss Lee und hat eine atemberaubende Naturkulisse mit den Halbinseln Beara, Sheeps Head und Mizen Head in der Nähe. Cork ist berühmt für ihre lebendige Kulturszene und die herzliche Gastfreundschaft ihrer Einwohner.

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