15 Jahre Courage: So waren unsere zwei SOR-Aktionstage 2026
SOR – SMC 2026 – „Rassismus und Rechtsextremismus keine Chance geben!“
Kinotag, Podiumsdiskussion und 16 Workshops: Zum 15-jährigen Jubiläum im Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ standen am Campus Südkreuz zwei Tage lang Austausch, neue Perspektiven und gemeinsames Lernen im Mittelpunkt.
Seit 2011 ist Campus Berufsbildung e. V. am Südkreuz Teil des bundesweiten Netzwerks „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ – und gehörte damit zu eine der ersten berufsbildenden Schulen Berlins, die sich dem Netzwerk anschlossen. Campus Berufsbildung wird vom Berliner Netzwerk offiziell seit dem 15. Dezember 2011 als Courage-Schule geführt.
Das 15-jährige Jubiläum wollten wir deshalb auf besondere Weise begehen. Unter dem Motto „Rassismus und Rechtsextremismus keine Chance geben!“ fanden in diesem Jahr gleich zwei Aktionstage statt: ein gemeinsamer Kinotag am 22. September und ein Workshoptag am 23. September 2026.
15 Jahre Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage am Campus Südkreuz!
Unser Jubiläum haben wir in diesem Jahr mit zwei besonderen SOR-Aktionstagen gefeiert – unter dem Motto „Rassismus und Rechtsextremismus keine Chance geben!“
Los ging es mit einem gemeinsamen Kinotag und dem Film The Change. Im Anschluss wurde auf dem Podium und mit dem Publikum intensiv darüber diskutiert, was gesellschaftliche Polarisierung, Ausgrenzung und der Verlust demokratischer Strukturen für unser Zusammenleben bedeuten.
Am zweiten Tag standen 16 Workshops zur Wahl: von Diskriminierung und Rassismus über Desinformation, Migration und Argumentation gegen rechte Parolen bis hin zu Hip-Hop, Kommunikation und mentaler Gesundheit.
Zwei Tage voller Austausch, neuer Perspektiven und Begegnungen – und vor allem mit einer Botschaft: Demokratie, Vielfalt und ein respektvolles Miteinander brauchen Menschen, die sich einmischen und Haltung zeigen.
Unser Film gibt einen kleinen Einblick in die beiden Aktionstage. Einfach mal reinschauen.
Informationen zum Netzwerk Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage finden Sie hier: https://www.schule-ohne-rassismus.org/)
Ein ganzes Kino für Campus
Der erste Aktionstag begann dort, wo Geschichten normalerweise auf der großen Leinwand erzählt werden: im Odeon in der Hauptstraße in Berlin-Schöneberg. Bereits ab 9 Uhr kamen unsere Schüler*innen und Auszubildenden dort zusammen. Das Kino war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Welcher Film gezeigt werden sollte, hatten nicht die Lehrkräfte entschieden, sondern in einer demokratischen Abstimmung unsere Auszubildenden. Zur Auswahl standen fünf verschiedene Filme. Die Wahl unserer Auszubildenden fiel auf „The Change“ – einen politischen Thriller, der eine gesellschaftliche und politische Veränderung in den USA anhand einer Familie erzählt.
Doch bevor das Licht im Kinosaal ausging, gehörte die Bühne zunächst unseren Auszubildenden. Ebru W. und Julia B. (bei angehende Sozialassistentinnen) sowie Sandali B. und Ludovyck Y. K., zukünftige Pflegefachkräfte. Gemeinsam führten sie uns durch den Tag, begrüßten das Publikum und stellten das diesjährige Motto sowie das Programm vor.
„Die Würde des Menschen ist unantastbar“
Anschließend begrüßte Nico Schulz, Geschäftsführer von Campus Berufsbildung, die Anwesenden. In seiner Ansprache erinnerte er daran, warum das Engagement gegen Rassismus und Diskriminierung so wichtig ist. Dabei stellte er einen Satz in den Mittelpunkt, der am Anfang unseres Grundgesetzes steht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
Es folgten die Begrüßung durch Gerlinde Lübbers, Gesamtschulleiterin von Campus Berufsbildung am Südkreuz sowie einleitende Worte von unser Diversity-Team, Dr. Maria Linares und Olivia Prauss, die in diesem erstmalig für Organisation und inhaltliche Ausgestaltung der SOR-Aktionstage verantwortlich waren.
Dann hieß es: Licht aus, Film ab.
Ein ganzes Kino im Zeichen von SOR-SMC
Begrüßung und Vorstellung des Programms
Podiumsgespräch moderiert von Boussa Thiam
Überreichung der Urkunde 15 Jahre SOR-SMC
„The Change“ – wenn sich nicht nur eine Familie verändert
The Change erzählt zunächst die Geschichte der Familie Taylor. Als Sohn Josh seine neue Freundin Liz mit nach Hause bringt, erkennt seine Mutter Ellen in ihr eine ehemalige Studentin wieder. Liz ist inzwischen eine wichtige Vertreterin der politischen Bewegung „The Change“, die in den USA immer mehr Anhänger*innen gewinnt und zunehmend Einfluss auf die Politik nimmt.
Doch der Film erzählt nicht nur von den Konflikten innerhalb einer Familie. Nach und nach wird sichtbar, wie sich auch das politische System des Landes verändert. Eine politische Bewegung gewinnt immer mehr Macht, andere Parteien und kritische Stimmen verlieren an Einfluss. Aus der Demokratie entwickelt sich zunehmend ein autoritäres System, in dem der Staat Menschen kontrolliert, Kommunikation überwacht und abweichende Meinungen unterdrückt.
Gerade diese Entwicklung macht den Film so eindrücklich: Die politischen Veränderungen bleiben nicht irgendwo in Regierung und Parlament, sondern wirken sich unmittelbar auf das Leben der Menschen aus. Sie verändern Freundschaften, Familien und den Umgang miteinander. Auch innerhalb der Familie Taylor werden die unterschiedlichen politischen Überzeugungen zu einer immer größeren Belastung.
Der Film stellt damit Fragen, die auch für die anschließende Diskussion wichtig waren: Was passiert mit einer Gesellschaft, wenn andere Meinungen immer weniger ausgehalten werden? Was geschieht, wenn Menschen aufhören, miteinander zu sprechen? Und wie kann es gelingen, trotz großer Unterschiede im Gespräch zu bleiben?
Nach 111 intensiven Filmminuten gab es deshalb einiges zu besprechen.
Miteinander sprechen – auch wenn es schwierig wird
Nach einer kurzen Pause begann die Podiumsdiskussion, moderiert von unserer Schirmherrin und Schulpatin Boussa Thiam. Mit auf dem Podium saß die Regisseurin und Filmvermittlerin Uli Decker. Hinzu kamen jeweils ein*e Auszubildende aus unseren fünf verschiedenen Bildungsgängen sowie eine Lehrkraft. Die Diskussion machte schnell deutlich, wie unterschiedlich ein Film wahrgenommen und interpretiert werden kann.
Warum entwickelt sich die Handlung so, wie sie sich entwickelt? Warum erfahren die Zuschauer*innen vergleichsweise wenig über die Bewegung „The Change“ selbst, obwohl deren Einfluss immer größer wird? Und warum gelingt es den einzelnen Figuren zunehmend weniger, miteinander im Gespräch zu bleiben?
Besonders intensiv wurde darüber gesprochen, welche Rolle der Vater innerhalb der Familie übernimmt. Immer wieder versucht er, seine Familie zusammenzubringen und Gesprächsräume offenzuhalten. Daraus entwickelte sich eine Frage, die weit über den Film hinausreichte: Wie bleiben Menschen miteinander im Austausch, wenn ihre Positionen weit auseinanderliegen?
Auch aus dem Publikum kamen zahlreiche Beiträge. Dabei wurde deutlich: Menschen aus einem Gespräch auszuschließen, löst Konflikte nicht automatisch. Umso wichtiger sind Räume, in denen unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven ausgesprochen, hinterfragt und diskutiert werden können. Genau einen solchen Raum bot dieser Vormittag. Danke an alle Beteiligten und die Organisator*innen.
15 Jahre „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“
Zum Abschluss des Kinotages wartete noch ein besonderer Moment auf uns. Florian Steindle von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ überreichte unserem Diversity-Team feierlich die Urkunde zu 15 Jahren Mitgliedschaft im Netzwerk.
Hierfür wurden natürlich noch Sabine Fielbert-Hasuscha, ehemalige Schulleiterin von Campus am Südkreuz und Monika Wagner, unsere ehemalige SOR-Beauftragte, die gemeinsam vor 15 Jahren den Beitritt in das Netzwerk initiiert haben und über die Jahre zu einem wichtigen Bestandteil unseres Schulleben werden ließen. In allen Reden waren eines deutlich zu spüren: 15 Jahre Mitgliedschaft – das ist nicht nur eine Zahl, sondern auch ein Anlass, zurückzublicken und gleichzeitig nach vorn zu schauen und engagiert zu bleiben.
Zweiter Tag: In Workshops neue Gruppen bilden und Themen vertiefen
Der zweite SOR-Aktionstag fand wie gewohnt in den Klassenräumen statt, doch alles andere war anders. Wie bei unseren SOR-Aktionstagen üblich, wurden die Klassenverbände für diesen Tag aufgelöst. Die Auszubildenden hatten bereits im Vorfeld interessengeleitet aus 16 verschiedenen Workshops einen ausgesucht, an dem sie gerne teilnehmen wollten. Zur Wahl stand wie gewohnt ein breites Angebot. Das Spektrum reichte von Diskriminierung in Pflege und Kita über Migration, Desinformation und Argumentation gegen rechte Parolen bis hin zu Hip-Hop, Klimagerechtigkeit und diskriminierungsbedingtem Stress in der Ausbildung. Die Workshops liefen von 8:30 bis 13:30 Uhr.
SOR-Aktionstag 2026
Einblicke in Workshops
Rahmenprogramm
Die Workshops des SOR-Aktionstages
- „Das war doch nicht böse gemeint.“ – Diskriminierung und Haltung in der Pflege
Anhand konkreter Situationen aus dem Pflegealltag ging es um diskriminierende Bemerkungen, Vorurteile, eine professionelle Haltung und Handlungsmöglichkeiten im Berufsalltag. - Diskriminierung als Thema in der Kita – Elternarbeit zwischen Wertschätzung und Positionierung
Wie können pädagogische Fachkräfte reagieren, wenn Eltern oder Bezugspersonen andere Menschen abwerten oder diskriminierende Positionen vertreten? Im Mittelpunkt standen Handlungssicherheit und eine klare, gleichzeitig wertschätzende Haltung. - Sexualisierte Gewalt in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten
Der Workshop beschäftigte sich mit unterschiedlichen Formen sexualisierter Gewalt und der Frage, wie Menschen im privaten, gesellschaftlichen und beruflichen Umfeld darauf reagieren können. Ein Schwerpunkt lag auf sexualisierter Gewalt im Netz und dem Kinderschutz. - Auf den Spuren des Widerstands gegen Rassismus
Was haben Kolonialismus und Rassismus miteinander zu tun? Der Workshop beschäftigte sich mit antikolonialem Widerstand, anti-Schwarzem Rassismus, Privilegien, Machtverhältnissen und gesellschaftlicher Teilhabe. - Parlamentspraxis: Die parlamentarische Demokratie in Deutschland
In der parlamentarischen Ausstellung des Deutschen Bundestages erfuhren die Teilnehmenden, wie der Bundestag arbeitet, welche Aufgaben Abgeordnete haben und warum Aushandlung und Kompromisse zum parlamentarischen Prozess gehören. - #ViralHate – Strategien der extremen Rechten online
Wie treten extrem rechte Akteur*innen in sozialen Netzwerken auf und welche Strategien nutzen sie? Der Workshop verband Medienanalyse mit Möglichkeiten, auf Hassrede und entsprechende Inhalte zu reagieren. - Alles natürlich? Antifeminismus & Queerfeindlichkeit auf Social Media
Von Tradwife-Influencerinnen bis zu Männer-Coaches: Untersucht wurden antifeministische und queerfeindliche Narrative in sozialen Medien, ihre Botschaften und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen. - Desinformation auf der Spur: Medienkompetenz in digitalen Lebenswelten
Wie entstehen Fake News und Desinformation? In praktischen Übungen wechselten die Teilnehmenden die Perspektive, beschäftigten sich mit der Darstellung eines Ereignisses durch unterschiedliche Medien und erprobten Möglichkeiten zur Überprüfung von Informationen. - Migration
Warum verlassen Menschen ihre Heimat? Welche Rolle spielt Migration weltweit und in Deutschland? Der Workshop stellte Fakten und unterschiedliche Perspektiven in den Mittelpunkt und hinterfragte verbreitete Mythen. - Worte können Fenster sein – oder Mauern
Auf Grundlage der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg ging es darum, auch in schwierigen Situationen miteinander verbunden zu bleiben, Bedürfnisse zu erkennen und respektvoll zu kommunizieren. - Widersprechen! Aber wie? – Argumentationstraining gegen rechte Parolen
Was kann man sagen, wenn im Freundeskreis, in der Schule oder im Bus rassistische oder diskriminierende Aussagen fallen? Der Workshop vermittelte Kommunikationsstrategien und konkrete Möglichkeiten zum Widersprechen. - Klimawandel – bei uns und in afrikanischen Ländern
Wer trägt wie stark zum Klimawandel bei und wer leidet besonders unter seinen Folgen? Der Workshop verband Klimawandel mit Fragen globaler Gerechtigkeit und diskutierte praktische Handlungsmöglichkeiten. - Ermächtigt euch!
Mit Methoden aus dem Theater setzten sich die Teilnehmenden mit Machtmissbrauch, Rassismus, Privilegien und Ausgrenzung auseinander. Praktische Übungen machten unterschiedliche Rollen und Kommunikationsmuster erfahrbar. - Hip-Hop mit Alexander Toprak
Gemeinsam wurde ein eigener Hip-Hop-Song entwickelt und produziert. Beatbox, Songwriting und Rap verbanden sich dabei mit der Auseinandersetzung mit alltäglichen Formen von Diskriminierung. - Hip Hop als Mittel zum Widerstand und Selbstausdruck
Der Workshop näherte sich der afrodiasporischen Hip-Hop-Tanzkultur über Rhythmus, Groove und Flow und beschäftigte sich mit der persönlichen und gesellschaftlichen Bedeutung von Hip-Hop. - (Diskriminierungsbedingter) Stress und mentale Gesundheit in der Ausbildung
Wie wirkt sich Diskriminierung auf Wohlbefinden, Selbstwertgefühl, Konzentration und Leistungsfähigkeit aus? Neben Information und Reflexion standen der Umgang mit Belastungen und mögliche Unterstützungsangebote im Mittelpunkt.
Schule ohne Rassimus – Schule mit Courage: Wir stehen dafür ein
15 Jahre „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ am Campus Südkreuz bedeuten nicht, dass Diskriminierung, Vorurteile oder schwierige Diskussionen irgendwann erledigt wären. Im Gegenteil: Die Mitgliedschaft steht für die Bereitschaft, immer wieder hinzusehen, miteinander zu sprechen, Position zu beziehen und Räume für Auseinandersetzung zu schaffen.
Unser Dank gilt allen, die unser Engagement in den vergangenen 15 Jahren mitgetragen haben – den früheren, heutigen und zukünftigen Engagierten und Unterstützer*innen. Ein ganz besonderer Dank geht an unsere Schulpatin Boussa Thiam sowie an das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, das uns seit vielen Jahren begleitet.


























