Wenn Kommentare verletzen: Ein Unterrichtsprojekt der HEP 20 macht Cybermobbing sichtbar
Wenn Social Media weh tut
Menschen mit Behinderungen sind in sozialen Medien heute sichtbarer als früher. Im Unterricht der HEP 20 zum Thema Medienkompetenz wurde jedoch schnell deutlich: Mit dieser Sichtbarkeit gehen oft auch abwertende, spöttische und verletzende Kommentare einher.
Im Rahmen der Projektaufgabe entschieden sich daher drei der angehenden Heilerziehungspfleger*innen ein Video über Cybermobbing zu erstellen. Sie wollen damit ihren Beitrag zur Aufklärung leisten. Dabei wollten sie nicht allgemein über „das Internet“ oder „die soziale Medien“ sprechen. Ihr Ziel war es, zu zeigen, was solche Kommentare auslösen können, besonders dann, wenn Menschen aufgrund ihrer Behinderung ohnehin ständig mit Vorurteilen, Blicken oder Ausgrenzung konfrontiert sind.
Das Video erzählt aus der Ich-Perspektive von Sven, einem Jungen mit Trisomie 21. Er berichtet, dass er zu seinem Geburtstag ein Handy bekommen hat und daraufhin Social Media ausprobieren möchte. Stolz lädt er ein Video hoch, in dem er tanzt und lacht. Kurz darauf erhält er jedoch verletzende Kommentare. Andere machen sich über ihn lustig, bezeichnen ihn als „komisch“ und leiten sein Video weiter, damit noch mehr Menschen darüber lachen.
Sven beschreibt, wie traurig, beschämt und verunsichert ihn dies macht. Am liebsten möchte er sein Handy gar nicht mehr benutzen und hat Angst, erneut etwas zu posten. Erst im Gespräch mit seiner Mutter und seinem Betreuer lernt er, dass es sich um Cybermobbing handelt.
Im weiteren Verlauf erklärt Sven, was Cybermobbing bedeutet: Menschen werden im Internet oder in sozialen Medien absichtlich beleidigt, bedroht, belästigt oder bloßgestellt. Er macht deutlich, dass Cybermobbing besonders belastend ist, weil verletzende Kommentare immer wieder auftreten können, Täter*innen häufig anonym bleiben und Betroffene auch zu Hause oder nachts erreichbar sind. Zudem können einmal veröffentlichte Bilder, Videos oder Kommentare lange sichtbar bleiben und immer wieder geteilt werden.
Mit dem Perspektivwechsel zeigen die Studierenden noch eindringlicher, was es mit einem Menschen macht, wenn der eigene Körper, die eigene Stimme, das eigene Verhalten oder die eigene Behinderung kommentiert und abgewertet werden.
Gleichzeitig übernimmt Sven die Rolle des Aufklärers über Cybermobbing. Es ist leider eine traurige Tatsache, dass viele Menschen Cybermobbing bereits in der einen oder anderen Form erlebt haben. Nicht wenige wissen aus eigener Erfahrung oder durch Betroffene in ihrem Umfeld, wie verletzend Kommentare sein können.
Das Video soll aufklären und sichtbar machen. Es zeigt, dass Cybermobbing nicht harmlos ist und dass Worte im digitalen Raum reale Folgen haben können.
So beschrieb auch eine der Video-Macher*innen ihre Motivation mit den folgenden Worten:
„Cybermobbing ist mir wichtig, weil ich aus eigener Erfahrung und durch Betroffene in meinem Umfeld weiß, wie verletzend es sein kann. Aus diesem Grund möchte ich zur Aufklärung beitragen. Gleichzeitig ist es mir wichtig Menschen mit Beeinträchtigung besser zu schützen . Unterm Strich möchte ich den respektvollen Umgang im Internet fördern 🌼“
Das Video der HEP 20 ist damit mehr als ein Unterrichtsprojekt und wir bedanken uns an dieser Stelle für den Einsatz und das wir das Video hier veröffentlichen dürfen.


